Bernhard-Kleinhans-Plakette 2018

Preisträger 2018
Beweggründe e.V. (Sendenhorst)


Text der Laudatio:

Der Arbeitskreis Woche der Brüderlichkeit Sendenhorst verleiht seit 2006 die Bernhard–Kleinhans–Plakette an Gruppen, Initiativen, Aktionen oder einzelne Personen, die in unserer Stadt Sendenhorst wirken oder aus ihr entstammen. Damit wird deren beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement für Versöhnung, Toleranz und friedliches Miteinander ausgezeichnet.

Wir tun dies in Erinnerung an und in Würdigung des verstorbenen Ehrenbürgers unserer Stadt und in Übereinstimmung mit seiner Familie. Sein Sohn Basilius unterstützt uns jedes Jahr, in dem er die als Unikat geschaffene und gestaltete „Bernhard-Kleinhans-Plakette“ anfertigt. Wir gedenken in diesem Jahr Maria Kleinhans, die im Februar nach langer schwerer Krankheit verstorben ist. Maria Kleinhans hat das Anliegen des Arbeitskreises immer unterstützt. Wir werden sie in bleibender Erinnerung behalten.

Die Bernhard-Kleinhans-Plakette soll ein Zeichen der Anerkennung für die Preisträger sein. Wir möchten sie in ihrem Tun ermutigen, nicht müde zu werden, um sich in die-ser Welt und unserer Stadt zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und gemeinschaftliches Handeln immer wieder lebendig werden zu lassen.
Es gibt gute Gründe, die uns bewegt haben, in diesem Jahr eine Initiative aus Sendenhorst auszuzeichnen, die seit mehr als zwanzig Jahren in Sendenhorst und darüber hinaus wirkt.

Bernhard Kleinhans, der von Anfang an sehr großes Interesse an unserer jährlichen Woche der Brüderlichkeit gezeigt hat, würde das Wirken dieser Initiative auch heute noch gut nachvollziehen können. Trotz seiner körperlichen Einschränkung war er ein bewegter Mensch und legte großen Wert auf das eigenständige Wirken. Wir erinnern uns, wie er mit einem ganz eigenen Bewegungsstil seinen Rollstuhl nutzte. Links und rechts sich jeweils mit einem Spazierstock abstoßend und einen Fuß zur Richtungskorrektur einsetzend, manövrierte er seinen Rollstuhl. Aber auch in seinen Skulpturen sind die Figuren eigentümlich bewegt. Einmal ist es das Schattenspiel auf den durch das Wachsauschmelzverfahren unebenen Oberflächen seiner Bronzen. Ein anderes Mal sind es die Figuren selbst, die sich im Tanz oder beim Liebesspiel in Bewegung einander begegnen.

Bewegung ist auch das zentrale Motiv der diesjährigen Preisträger. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, präventiv zu arbeiten, um Menschen eines jeden Alters, besonders aber Kinder, durch ihre Angebote zu unterstützen. Sie wollen Menschen durch Bewegungs- und Begegnungsangebote für ein selbstständiges Leben, für die Gestaltung ihrer persönlichen Zukunft stärken. Das Thema Bewegung hat sich dabei in den Jahren nicht erledigt. Es gewinnt sogar mehr und mehr an Bedeutung. Kooperationen mit Kindertagesstätten und Schulen, mit Ärzten und Therapeuten, mit der öffentlichen Gesundheits- und Jugendhilfe wie mit gemeinnützigen Vereinen und anderen freien Trägern offenbaren keineswegs eigenes Unvermögen, sondern sind Ausdruck der Maxime, den Klientinnen und Klienten das Beste zu geben. Eine hohe eigene Kompetenz bildet dabei die Basis. So verwundert es nicht, dass der Preisträger einen großen Anteil daran hatte, ein Netzwerk aller relevanten Akteure für familienbezogene Hilfen in Sendenhorst zu begründen und miteinander so zu entwickeln, dass Familien im Zentrum eines gemeinsamen und ganzheitlichen Bemühens stehen. Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, die Integration von Geflüchteten und anderen Zu-gewanderten und das Miteinander von Generationen sind Ausdruck von Kompetenz und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein gleichermaßen. Frühe Hilfen und eine Stärkung jeweils der ganzen Familie sind prägendes Selbstverständnis und grundlegend für jedes Handeln.

Der Preisträger zeichnet sich aus

  • durch ein beispielhaftes mutiges ehrenamtliches Engagement für das Schaffen von Bewegungsangeboten für Menschen in Sendenhorst. Sie setzen sich ein, ent-wickeln Angebote, kämpfen für Projektmittel und haben mit dem „Forum Schleiten“ einen einzigartigen Raum für Begegnung und Bewegung mitten in der Stadt ge-schaffen. Und das jetzt schon über einen langen Zeitraum. Da wäre so manch an-derem die Puste ausgegangen.
  • durch eine hohe Fachlichkeit. Mit Martina Lackmann, Mechthild Krämer und Hubert Bisping steht ein stabiles hauptamtliches Team zur Verfügung, das wirkt, das da ist, das Ideen umsetzt und ein Ohr für die Menschen hat, die Woche für Woche kommen. Diese Fachlichkeit findet ihre Anerkennung in der nicht unerheblichen Bereitstellung von Finanzmitteln durch die Stadt Sendenhorst und den Kreis Warendorf, durch lokale und regionale Sponsoren wie Lions-Club, Sparkasse und Volksbank sowie ganz besonders durch bundesweite große Stiftungen wie der Aktion Mensch, der Auerbach-Stiftung, der Kempken-Stiftung und der Stiftung Wohl-fahrtspflege. Die erfolgreiche Arbeit wird in Fortbildungen und bei Fachtagungen vorgestellt und vermittelt.
  • durch eine gelingende Vernetzung in der Stadt. Bewegungsangebote gibt es drinnen und draußen, in der Natur, dem Schwimmbad oder der Reithalle. Beratung, Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe gibt es dort, wo sich Unterstützungsbedarfe zeigen: bei den frühen Hilfen, in der Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Behin-dertenhilfe und auch in Angeboten für an Demenz erkrankte Menschen. Ideen von außen werden aufgenommen, Engagement und Räume werden bedarfsorientiert eingesetzt.

Im Projekt „Sprungbrett“ wird seit 2011 ebenso anschaulich wie zutreffend bezeichnet, wie mit motopädagogischer Begleitung und Hilfestellung Beeinträchtigungen und Belastungen so überwunden werden können, dass Menschen mit gestärktem Selbstvertrauen aus eigener Kraft und Bewegung weit mehr vorankommen können, als es das eigene Zutrauen – und oft auch das anderer –  zuvor erwarten ließen. Trotz langjähriger bereitgestellter Mittel durch die Stadt Sendenhorst ist das Projekt auf weitere Finanzmittel durch den Kreis Warendorf und Stiftungen angewiesen. In diesem Jahr bleibt die Fördersumme insgesamt deutlich hinter den begründeten Erwartungen zurück. Das Projekt steht insgesamt in Frage. Möge es noch lange Jahre vielen Kindern und ihren Familien ein „Sprungbrett“ bleiben!

Für sein großartiges und nachhaltiges soziales Wirken wird der Verein Beweggründe e.V. mit der Bernhard Kleinhans-Plakette 2018 ausgezeichnet. Der Verein wurde 1996 in Sendenhorst gegründet und hat seit 2011 seinen Sitz im vereinseigenen „Forum Schleiten“. Den Vorstand des Vereins bilden Gerd Bröcker, Dr. Mechthild Bonse, Stefanie Werring-Stürmer, Ruth Beerbaum und Bettina Kugler.

Wir gratulieren mit den besten Zukunftswünschen!

(Franz-Ludwig Blömker und Wolfgang Janus)

Arbeitskreis Woche der Brüderlichkeit in Sendenhorst
Sendenhorst, am 11. März 2018