Bernhard-Kleinhans-Plakette 2011

Preisträger 2011
Maria Ursula und Dr. Heinrich Book

 

Text der Laudatio:


Sternstunde

In mancher Stunde werd ich seltsam angerührt
von Dingen, die mir an den Weg gestellt,
so wie zuweilen Licht in eine offne Schale fällt.
Ein Wort von irgendwo trifft tief mich in der Seele
es überkommt mich dann geheime Kraft,
die mich mit Wärme füllt und Zuversicht,
so als geschäh mir ein Gesicht:
Es werde alles sich zum Kreise in mir schließen
und alles Dunkle mir vom Lichte überfließen.
Ich fühle mich dann allem Edlen zugetan.


Seit dem Jahre 2006 wird im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit die Bernhard-Kleinhans-Plakette verliehen. Ausgezeichnet wird damit beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement für Versöhnung, Toleranz und friedliches Miteinander als Ausdruck von Menschlichkeit und Nächstenliebe. Menschen werden für ihr Tun geehrt, durch das sie anderen Menschen in gewisser Weise Sternstunden bereiten. Die bisher Ausgezeichneten sind die Tschernobyl-Aktion Albersloh, der Deutsch-Ausländische-Freundeskreis Sendenhorst, die Aktion „Kinder helfen Kindern“, Bischof Martin Happe und der Schüleraustausch der beiden Partnerschulen Hayovel Junior High School, Mevasseret-Zion, und Realschule St. Martin, Sendenhorst.
Namensgeber der Plakette ist Bernhard Kleinhans, bedeutender Bildhauer und Ehrenbürger der Stadt Sendenhorst. In seinen Arbeiten bildete der Mensch das zentrale Thema. In den figuralen Bildern fand er Symbole für ein gutes Miteinander der Generationen, für den ehrfürchtigen Umgang des Menschen mit der Schöpfung und für Gottes Heilswirken an uns Menschen. Sein Leben war geprägt von einem tief verwurzelten Glauben, von einer ausgeprägten Verbundenheit zur Lyrik und einer gelebten Philanthropie. Dies trifft auch für die diesjährigen Preisträger zu.
In Übereinstimmung mit der Familie Kleinhans verleiht der Arbeitskreis Woche der Brüderlichkeit in Sendenhorst die von Basilius Kleinhans gestaltete Bernhard-Kleinhans-Plakette in diesem Jahr an das Ehepaar Maria Ursula und Dr. Heinrich Book.


Wegwarte

Sie steht am Weg
Und sieht, was war
Und sieht, was ist.
Dann nickt sie ein
Und träumt von dem,
was könnte sein.
Sie wartet schon so lange dort,
sie wartet auch auf Dich
und wird nicht müd,
zu warten fort
auf das, was an dem fernsten Ort,
erhoffest Du und ich.


Wir zeichnen in diesem Jahr ein Ehepaar aus, das aufgrund seines Lebensalters Vieles gesehen hat und es aber nicht bei dem hat bleiben lassen, was es ist. Sie haben ihre Träume von dem, wie es sein könnte, umgesetzt. Wir zeichnen zwei Menschen aus, die sich gemeinsam und beide auf ihre eigene Weise für die Gemeinschaft engagiert haben, auch für die Hoffnungen und Träume anderer Menschen. Ihr Leben, Wirken und Engagement basieren auf einem tiefen christlichen Glauben, auf Ethik, Moral und Tugenden.
Mit ihrem Fond „Kinder dürfen leben“ setzen sie seit vielen Jahren ein stilles, christliches Zeichen für das Leben und unterstützen damit Familien in sozialen Notlagen. Leben bewahren, Kranken wieder bessere Lebensperspektiven geben, bestimmten das Berufsleben des Arztes Dr. Heinrich Book. Als Chefarzt erwarb er sich von 1957 bis 1979 große Verdienste im St. Josef-Stift und baute hier die Fachklinik für Orthopädie auf.
Maria Ursula Book hat sich nach ihrer früheren Tätigkeit als Volksschullehrerin (1952 bis 1960) im öffentlichen Leben Sendenhorsts besonders als Teamsprecherin der Katholischen Frauengemeinschaft St. Martin (1973 bis 1986) und als Begründerin des kfd-Singekreises verdient gemacht, den sie heute noch leitet. Aktionen wie das kfd-Domcafé, der „Second-Hand-Shop“ und die in vielen Wintern durchgeführten Sonntagsfahrten zum Skifahren mit Kursen in Willingen gehen auf ihr bürgerschaftliches Engagement zurück. 1997 initiierte sie eine aus den Seligpreisungen des Matthäus-Evangeliums abgeleitete künstlerische Gestaltung des Promenadenrings, wozu das Ehepaar Book selbst das der siebten Seligpreisung „Selig sind die, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ gewidmete Kunstwerk an der Westpromenade stiftete.
Dr. Heinrich Book engagiert sich noch jetzt, in seinem 98. Lebensjahr, kulturell. Als Sprachenforscher hat er sich im Besonderen der Erhaltung des Hümmlinger Platt, der niederdeutschen Mundart seines Heimatdorfes Lorup (Landkreis Emsland) gewidmet: Im Alter von bereits 80 Jahren stellte er 1994 die erste von inzwischen drei Auflagen eines viel beachteten Hümmlinger Wörterbuches vor, mit 90 Jahren veröffentlichte er eine Übersetzung von Antoine de Saint-Exupéry’s „Der kleine Prinz“ in die Loruper Mundart. In lyrische Formen gefasste eigene Gedanken, Lebenserinnerungen und Weisheiten enthalten seine Gedichtbände Wegwarte (1991) und Verborgener Brunnen (2010). Die teils aus dem Altsächsischen herrührenden Flurnamen Sendenhorsts erforscht er noch heute, möchte dabei aber nicht nur eine Übersetzung der Wörter in die heutige Sprache vornehmen, sondern die Geschichte und Entwicklung der Stadt weiter erklären.
Ursula Maria und Dr. Heinrich Book sind mit ihrem Einsatz für das Leben, die Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit, Toleranz und Friedfertigkeit sowie mit ihrem bis ins hohe Alter reichenden kulturellen und stillen sozialen Engagement in besonderer Weise Beispiel gebend. Beispiel gebend ganz im Sinne von Bernhard Kleinhans, dem sie nicht nur einst nachbarschaftlich verbunden waren.
Der Arbeitskreis Woche der Brüderlichkeit in Sendenhorst würdigt dies mit der Verleihung der Bernhard-Kleinhans-Plakette 2011.

Leben

Das Leben ist nicht, das Leben geschieht,
wo immer es seine Kreise zieht.
Es hat keine Bleibe und findet nur statt.
Uns lässt es den Hunger, wir werden nicht satt.
Das Leben empfangen, zum Leben erweckt …
Uns zittern die Hände, wir verhalten erschreckt.
Alles Leben ist Gnade, ein geliehenes Pfand,
es findet uns wortlos, wir ahnen die Hand.


Arbeitskreis Woche der Brüderlichkeit
Sendenhorst, am 13. März 2011