Bernhard-Kleinhans-Plakette 2006

Preisträger 2006
Albersloher Initiative für Kinder aus Weißrussland

 

Text der Laudatio:


Auch diese Woche der Brüderlichkeit will, so wie es sich der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau als Christ zu seinem politischen Programm gemacht hat: „Versöhnen statt spalten“. Versöhnendes Denken und Handeln ist eine der vornehmsten Christenpflichten, um Frieden in unsere unversöhnte Welt zu bringen, weil letztlich dieser Welt Gottes Shalom gilt.

Der Arbeitskreis Woche der Brüderlichkeit möchte in diesem Jahr zum ersten Mal für versöhnendes Handeln ein Zeichen setzen. Gruppen, Initiativen, Aktionen oder einzelne Personen, die in unserer Stadt durch Zeichen der Versöhnung friedensstiftend arbeiten, wollen wir in besonderer Weise auszeichnen, um auch das ehrenamtliche Engagement zu würdigen.

Wir wollen dieses im Namen des verstorbenen Ehrenbürgers unserer Stadt tun, der am 17. April 2006 80 Jahre alt geworden wäre, und in Übereinstimmung mit seiner Familie: wir möchten heute die neu geschaffene und von seinem Sohn Basilius gestaltete „Bernhard-Kleinhans-Plakette“ verleihen.

Bernhard Kleinhans hat von Anfang an sehr großes Interesse an unserer Woche der Brüderlichkeit gezeigt. Seine Plastiken zeigen in den gestalteten Figuren versöhnende Gesten, z. B. in der Beziehung zwischen Mann und Frau, zwischen den Generationen und vor allem zwischen der Heilstat Gottes und seiner Schöpfung. Sie weisen den Künstler als Christen aus, der selbst aus der Versöhnung lebt.

Die „Bernhard-Kleinhans-Plakette“ will ein Zeichen der Anerkennung für eine Gruppe sein, die sich seit Jahren für Versöhnung einsetzt. Wir möchten Sie in ihrem Tun ermutigen, nicht müde zu werden, um in dieser Welt und unserer Stadt den Glauben an die Versöhnung immer wieder lebendig werden zu lassen.

Der Empfänger der Auszeichnung ist in diesem Jahr die Albersloher Aktion für die Kinder aus Weißrussland.

Ein Dorf gerät in Bewegung, wenn die Tschernobyl-Kinder aus Weißrussland, aus Belarus, nach Albersloh kommen. Es sind Kinder, die immer noch unter der Reaktorkatastrophe von 1986 gesundheitlich leiden, aber auch die Last der bedrückenden wirtschaftlichen Verhältnisse zu tragen haben. Diese Kinder zwischen 8 und 12 Jahren kommen in unsere Stadt, in unser Dorf, um ihr Immunsystem schon nach drei Wochen nachweislich zu stärken und einige unbeschwerte und sicher unvergessliche Wochen zu verbringen.

Nach den Anfängen in den 90er Jahren in Wolbeck hat der Pfarrgemeinderat von St. Ludgerus dieses Engagement übernommen. Es waren vor allem Josef Osterkamp als Organisator und Maria Lütke Harmann als „Mutter der Aktion“, die das Projekt am Anfang vorantrieben,- und viele sind dann hinzugekommen: Christa Budde, Maria Naber, Brigitte Riemer, Elisabeth Watermann, Linde und Gerhard Trottier, Birgit Wahlert. Nicht vergessen seien auch die vielen Gasteltern, die ihre Schützlinge kräftig verwöhnten. Tränenreiche Abschiede zeugen davon.

Ein Netzwerk mit Engagierten wurde vor Ort für diese Gastkinder aus dem Gomeler und Rogatschower Gebiet aufgebaut. Genannt seien die Vereine im Dorf, die Landwirte, die Ärzte, die Polizei, die Presse und die vielen Sponsorinnen und Sponsoren, die mit Geld, Lebensmittel und Kleidung die Aktion unterstützten. Mit Willi Lohmann im Team wurde der Gedanke der Völkerverständigung neben der karitativen und gesundheitlichen Arbeit wichtig.
„Für die Kinder ist die Reise so etwas wie ein Lottogewinn“, heißt es im letzten Jahresbericht der Aktion. Aber auch die Gastfamilien und die deutschen Kinder, die ihren Gästen in Schule und Kindergarten begegneten, wurden die Augen für eine fremde, leidvolle, arme Welt geöffnet, was dankbar für das Selbstverständliche bei uns werden lässt.

Der letzte Satz aus dem Bericht sei als Abschluss dieser Laudatio zitiert: „Unsere Albersloher Aktion - mittlerweile nicht mehr nur allein von der Pfarrgemeinde, sondern von der Dorfgemeinschaft getragen - ist Teil einer großen Friedens- und Versöhnungsinitiative, und wir sind stolz darauf!“

Der Arbeitskreis der Woche der Brüderlichkeit hat einstimmig zusammen mit der Familie Kleinhans beschlossen, diese Albersloher Initiative als erste im Jahre 2006 mit der neu geschaffenen „Bernhard-Kleinhans-Plakette“ auszuzeichnen. Zusammen mit einem Geldbetrag von 250.- € sei sie Anerkennung für Ihr Tun und Ansporn für andere, den Gedanken der Versöhnung immer wieder glaubhaft in die Tat umzusetzen.


Für den Arbeitskreis Woche der Brüderlichkeit
Sendenhorst, am 5. März 2006